✅ Kurze Antwort
Die Deklaration ist die Kennzeichnung, die das EU-Futtermittelrecht (Verordnung (EG) Nr. 767/2009) für jedes Hundefutter vorschreibt. Entscheidend sind fünf Angaben: die Futtermittelart (Allein- oder Ergänzungsfuttermittel), die Zusammensetzung in absteigender Reihenfolge, die Zusatzstoffe, die analytischen Bestandteile (Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche, bei feuchtem Futter die Feuchtigkeit) und die Fütterungsempfehlung. Je genauer die Zutaten einzeln und mit Prozent benannt sind, desto besser kannst du ein Futter einschätzen.
Trockenfutter, Nassfutter, Leckerli, BARF – und auf jeder Packung stehen andere Begriffe: Rohasche, tierische Nebenerzeugnisse, 3a672a. Kein Wunder, dass viele Hundemenschen beim Etikett aufgeben und nach Verpackung oder Preis entscheiden. Dabei verrät dir die Deklaration ziemlich genau, was in einem Futter steckt – wenn du weißt, wie du sie liest. In diesem Ratgeber gehen wir das Etikett Zeile für Zeile durch: was Pflicht ist, was die Begriffe bedeuten, wie du Nass- und Trockenfutter fair vergleichst und welche Werbebegriffe nichts über die Qualität aussagen.
Was auf jedem Hundefutter-Etikett stehen muss
Welche Angaben ein Futtermittel tragen muss, ist in der EU einheitlich geregelt – vor allem in der Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln. Für ein typisches Hundefutter (ein sogenanntes Mischfuttermittel) sind das diese Punkte:
| Angabe | Was sie dir sagt |
|---|---|
| Futtermittelart | „Alleinfuttermittel“ oder „Ergänzungsfuttermittel“ – also ob das Futter allein ausreicht. |
| Tierart bzw. Tierkategorie | Für wen das Futter bestimmt ist, z. B. „für Hunde“ oder „für Welpen“. |
| Zusammensetzung | Alle Futtermittel (Zutaten) in absteigender Reihenfolge nach Gewichtsanteil. |
| Zusatzstoffe | Zugelassene Zusatzstoffe; bestimmte, etwa Vitamin A, Vitamin D oder Kupfer, mit Menge. |
| Analytische Bestandteile | Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche; bei feuchtem Futter zusätzlich die Feuchtigkeit. |
| Fütterungsempfehlung | Wie viel du deinem Hund pro Tag gibst. |
| Mindesthaltbarkeit, Losnummer, Nettomenge | Für Frische, Rückverfolgbarkeit und Preisvergleich. |
| Verantwortliches Unternehmen | Name und Anschrift sowie die Registrierungs- oder Zulassungsnummer des Betriebs. |
Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel?
Diese Zeile ist die wichtigste auf der ganzen Packung, weil sie bestimmt, wie du das Futter einsetzen kannst:
- Alleinfuttermittel sind so zusammengesetzt, dass sie bei der empfohlenen Menge den täglichen Bedarf deines Hundes decken. Das sind die meisten Trocken- und viele Nassfutter.
- Ergänzungsfuttermittel reichen allein nicht aus. Dazu zählen Leckerli, Kauartikel, Mineralfutter, Öle oder manche Nassfutter, die als Beilage gedacht sind.
- Einzelfuttermittel bestehen aus nur einem Ausgangsprodukt – zum Beispiel getrocknete Rinderohren oder Pansen.

Die Zusammensetzung: Reihenfolge und Prozent
Unter der Überschrift „Zusammensetzung“ stehen alle Futtermittel, aus denen das Produkt besteht – und zwar in absteigender Reihenfolge nach ihrem Gewichtsanteil. Was vorne steht, ist also mengenmäßig am meisten enthalten. Zwei Regeln helfen dir beim Lesen:
- Hervorgehobene Zutaten brauchen eine Prozentangabe. Steht groß „mit Rind“ auf der Packung oder ist ein Lachs abgebildet, muss der Anteil dieser Zutat in Prozent genannt werden.
- Kategorien sind erlaubt. Bei Heimtierfutter dürfen Hersteller statt einzelner Zutaten Gruppen angeben, etwa „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“, „Getreide“, „Gemüse“, „Öle und Fette“ oder „Mineralstoffe“.
Daraus ergeben sich die Begriffe, die du in Foren oft liest: offene, halboffene und geschlossene Deklaration. Das sind keine Rechtsbegriffe, sondern Umgangssprache – sie beschreiben, wie genau ein Hersteller freiwillig wird. Drei Beispiele für ein ähnliches Rezept:
| Art | Beispiel | Was du erfährst |
|---|---|---|
| Offen | Rindermuskelfleisch 40 %, Kartoffeln 20 %, Rinderherz 15 %, Karotten 15 %, Rinderleber 5 %, Sonnenblumenöl 3 %, Calciumcarbonat 1,5 %, Salz 0,5 % | Jede Zutat, ihre Herkunft vom Tier und ihren Anteil. |
| Halboffen | Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse 60 % (davon Rind 30 %, Huhn 30 %), Gemüse 25 % (Karotte, Kürbis), Getreide 10 %, Öle und Fette 3 %, Mineralstoffe 2 % | Tierarten und Gruppen, aber nicht, welche Teile vom Tier. |
| Geschlossen | Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Getreide, Gemüse, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Öle und Fette, Mineralstoffe | Nur die Gruppen in absteigender Reihenfolge. |
Eine geschlossene Deklaration ist erlaubt und heißt nicht, dass das Futter schlecht ist. Du erfährst nur wenig. Wenn dich interessiert, was genau drin ist, frag beim Hersteller nach – seriöse Anbieter beantworten solche Fragen.
Fleisch, tierische Nebenerzeugnisse und Fleischmehl
- Fleisch bzw. eine konkrete Angabe wie „Rindermuskelfleisch“ oder „Putenfleisch“ ist eindeutig.
- Tierische Nebenerzeugnisse sind Teile von genusstauglich geschlachteten Tieren, die nicht als Lebensmittel verkauft werden – zum Beispiel Herz, Leber, Lunge, Pansen oder Euter. Für Heimtierfutter ist nur solches Material (sogenanntes Kategorie-3-Material nach Verordnung (EG) Nr. 1069/2009) zugelassen. Viele Innereien sind nährstoffreich; der Nachteil der Sammelbezeichnung ist nur, dass du nicht erfährst, welche Teile in welcher Menge enthalten sind.
- Mehle wie Fleischmehl, Geflügelmehl oder Fischmehl sind getrocknete und gemahlene Rohstoffe. Weil ihnen das Wasser fehlt, liefern sie pro Gramm deutlich mehr Eiweiß als frisches Fleisch. Achte darauf, ob die Tierart genannt ist („Hühnerfleischmehl“ ist genauer als „Geflügelmehl“).
- Frischfleisch-Angaben wie „65 % frisches Huhn“ beziehen sich oft auf das Gewicht vor dem Trocknen. Im fertigen Trockenfutter ist davon durch den Wasserverlust deutlich weniger Masse übrig – vergleiche deshalb nicht Frischfleisch-Prozente mit Mehl-Prozenten.
Pflanzliche Nebenerzeugnisse
Damit sind Reste aus der Lebensmittelverarbeitung gemeint, etwa Rübenschnitzel, Weizenkleie oder Pressrückstände aus der Ölgewinnung. Sie liefern vor allem Faserstoffe und sind nicht per se minderwertig. Wie bei den tierischen Nebenerzeugnissen gilt: Die Sammelbezeichnung verrät dir nicht, was genau drin ist.
Analytische Bestandteile: Was Rohprotein, Rohfett & Co. bedeuten
Die analytischen Bestandteile sind keine Zutaten, sondern Laborwerte. Sie zeigen, wie viel einer Nährstoffgruppe im Futter steckt – unabhängig davon, woher sie stammt.
| Angabe | Bedeutung |
|---|---|
| Rohprotein | Der gesamte Eiweißgehalt. Er sagt nichts über die Quelle: Muskelfleisch, Innereien oder Pflanzeneiweiß werden gleich gezählt. |
| Rohfett | Alle Fette und Öle, egal ob tierisch oder pflanzlich. Fett ist der energiereichste Nährstoff. |
| Rohfaser | Pflanzliche Faserstoffe, die der Hund kaum verdauen kann. Sie beeinflussen Kotmenge und -beschaffenheit. |
| Rohasche | Keine zugesetzte Asche: Das Futter wird im Labor bei rund 550 °C verbrannt, übrig bleiben die Mineralstoffe (z. B. Calcium, Phosphor, Natrium). |
| Feuchtigkeit | Der Wassergehalt. Bei Nassfutter liegt er oft um 75–82 %, bei Trockenfutter meist um 10 %. Angeben muss man ihn, wenn er bei einem Mischfuttermittel über 14 % liegt. |
Kohlenhydrate stehen nicht auf dem Etikett, du kannst sie aber grob schätzen: 100 minus Feuchtigkeit, Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche. Bei einem Trockenfutter mit 10 % Feuchtigkeit, 25 % Rohprotein, 12 % Rohfett, 3 % Rohfaser und 7 % Rohasche bleiben rund 43 % – überwiegend Stärke. Mehr dazu im Ratgeber Kohlenhydrate im Hundefutter.
Nass- und Trockenfutter fair vergleichen: die Trockensubstanz
Weil Nassfutter zu einem Großteil aus Wasser besteht, wirken seine Prozentwerte klein. Für einen fairen Vergleich rechnest du auf die Trockensubstanz um: Wert ÷ (100 − Feuchtigkeit) × 100.
| Nassfutter | Trockenfutter | |
|---|---|---|
| Rohprotein laut Etikett | 8 % | 25 % |
| Feuchtigkeit | 80 % | 10 % |
| Trockensubstanz | 20 % | 90 % |
| Rohprotein in der Trockensubstanz | 40 % (8 ÷ 20 × 100) | rund 28 % (25 ÷ 90 × 100) |
Das Nassfutter mit den „kleinen“ Zahlen enthält in diesem Beispiel also deutlich mehr Eiweiß bezogen auf die Nährstoffe als das Trockenfutter.

Zusatzstoffe: Was hinter den Kennnummern steckt
Futtermittel-Zusatzstoffe sind in der EU nur nach einer Prüfung und Zulassung erlaubt (Verordnung (EG) Nr. 1831/2003). Sie stehen unter der eigenen Überschrift „Zusatzstoffe“ und tragen oft eine Kennnummer, zum Beispiel 3a672a für Vitamin A. Die wichtigsten Gruppen:
- Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe: Vitamine, Spurenelemente (z. B. Zink, Kupfer, Jod) und Aminosäuren. Sie sorgen dafür, dass ein Alleinfuttermittel den Bedarf tatsächlich deckt – auch weil beim Erhitzen Vitamine verloren gehen.
- Technologische Zusatzstoffe: Konservierungsmittel, Antioxidationsmittel oder Bindemittel. Antioxidantien schützen die Fette davor, ranzig zu werden – das können Tocopherole (Vitamin E) oder synthetische Stoffe sein; zugelassen sind beide.
- Sensorische Zusatzstoffe: Aromen und Farbstoffe. Deinem Hund ist die Farbe seines Futters egal – sie richtet sich an uns Menschen.
Nassfutter in Dosen oder Schalen wird meist durch Erhitzen in der verschlossenen Verpackung haltbar gemacht und braucht deshalb oft keine Konservierungsmittel. Bei Trockenfutter verhindert vor allem der geringe Wassergehalt den Verderb, die Fette brauchen aber Schutz vor Oxidation.
Werbebegriffe oder Pflichtangabe?
Auf der Vorderseite einer Packung steht vor allem Werbung. Ein paar Begriffe sind geregelt, viele nicht:
| Begriff | Was er bedeutet |
|---|---|
| „Premium“, „Gourmet“, „Super-Premium“ | Keine rechtlich festgelegte Bedeutung – sagt nichts über die Zusammensetzung. |
| „Getreidefrei“ | Enthält kein Getreide, aber oft andere Stärkequellen wie Kartoffeln oder Hülsenfrüchte. Siehe Getreidefreies Hundefutter – Vor- & Nachteile. |
| „Bio“ | Nur zulässig, wenn die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung erfüllt sind – erkennbar am Code der Öko-Kontrollstelle (z. B. „AT-BIO-…“ oder „DE-ÖKO-…“). |
| „Hypoallergen“ | Darf nur verwendet werden, wenn der Hersteller es belegen kann. |
| Gesundheitsversprechen | Futtermittel dürfen nicht behaupten, Krankheiten zu verhüten, zu behandeln oder zu heilen. Ausnahmen gelten nur für Diätfuttermittel mit gesetzlich festgelegten Ernährungszwecken. |
Futter-Check in fünf Minuten
- Futtermittelart und Tierart prüfen: Alleinfuttermittel für deinen Hund (und sein Alter)?
- Die ersten drei Zutaten lesen: Sind sie konkret benannt oder nur als Gruppe?
- Hervorhebungen prüfen: Hat die Zutat aus dem Produktnamen eine Prozentangabe?
- Analytik vergleichen: Bei Nass- gegen Trockenfutter immer auf Trockensubstanz umrechnen.
- Kosten pro Tag statt pro Kilo: Fütterungsempfehlung × Preis pro Gramm ergibt den realistischen Tagespreis.
Wenn du dein Futter selbst zusammenstellst, gelten andere Spielregeln – dann trägst du die Verantwortung für die Nährstoffversorgung. Einen Einstieg findest du in Barfen für Anfänger. Und wenn du die Sorte wechseln willst: So gelingt die Futterumstellung.
„Ich lese bei jedem Futter zuerst die Zusammensetzung. Wenn ich bei den ersten Zutaten nicht weiß, was gemeint ist, frage ich beim Hersteller nach – eine gute Firma antwortet gern und konkret.“
— Bianca Willen, Gründerin bellerei & Willenskraft Akademie
★ Bei der bellerei
Bei unseren Leckerli, Kauartikeln und Futtermitteln steht die vollständige Futtermittel-Kennzeichnung – Futtermittelart, Zusammensetzung, Zusatzstoffe, analytische Bestandteile und Fütterungsempfehlung – direkt auf jeder Produktseite.
Zur Schlabberei →Fazit
Die Deklaration ist kein Geheimcode. Prüfe zuerst, ob es ein Allein- oder Ergänzungsfuttermittel ist, lies die ersten Zutaten der Zusammensetzung und achte darauf, wie konkret sie benannt sind. Die analytischen Bestandteile vergleichst du am besten in der Trockensubstanz, und Werbebegriffe auf der Vorderseite behandelst du als das, was sie sind: Werbung. So findest du ein Futter, das zu deinem Hund und zu deinem Budget passt.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist die Deklaration bei Hundefutter?
Was ist der Unterschied zwischen Alleinfuttermittel und Ergänzungsfuttermittel?
Was bedeutet offene und geschlossene Deklaration?
Sind tierische Nebenerzeugnisse schlecht?
Was ist Rohasche im Hundefutter?
Warum steht kein Kohlenhydrat-Gehalt auf dem Etikett?
Wie vergleiche ich Nassfutter und Trockenfutter?
Darf Hundefutter mit Gesundheitsversprechen werben?
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln: EUR-Lex
- Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 über Zusatzstoffe zur Verwendung in der Tierernährung: EUR-Lex
- Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 über tierische Nebenprodukte: EUR-Lex
- Buchempfehlung: Jürgen Zentek, Ernährung des Hundes: Grundlagen – Fütterung – Diätetik, ISBN 978-3-13-220461-4
zertifiziert
1:1 Online-Hundeschule mit Bianca Oriana Willen
2-stündiger 1:1 Ersttermin per Videocall mit der Gründerin der Hundeschule Willenskraft & Akademie und Geschäftsführerin von bellerei. Kein anonymer Videokurs: Bianca analysiert live euren Alltag — ihr Schwerpunkt ist tierschutzkonforme Arbeit mit Fokus auf Körpersprache, Angst & Reaktivität.

